Jahreskreisrituale

Die Erkenntnisse der Matriarchatsforschung zeigen uns, dass Frauen zu allen Zeiten den Jahreskreislauf gefeiert und getanzt haben. Wenn sich Frauen heute wieder Zugang zu ihrer Stärke, ihrem Wissen, ihren Wurzeln verschaffen, so ist dies die Hinwendung zu matriarchaler Tradition und die Wiederaneignung unserer uralten Kultur. Weibliche Spiritualität ist ein aktives sich Einlassen auf gelebte Ökologie im Sinne von Heilung und Ganzwerden von Kosmos, Natur und dem Seie-en von Frauen. Matriarchale Religion heißt für uns Frauen ein uns Zurückbinden an Naturgesetze, die Wahrnehmung kosmischer Veränderungen und die Aufnahme einer bewußten Verbindung mit dem Kreislauf von Werden und Vergehen, Leben und Tod, Licht und Dunkelheit, nicht als starre, polare Gegensätze, sondern als eine fließende, befreiende Einheit einer unvergänglichen Ganzheitlichkeit. Beim Feiern des Jahreskreises in Ritualen binden wir uns ein in diese natürlichen Gesetzmäßigkeiten.  Indem wir unsere eigene Befindlichkeit, unsere Phantasie, unsere Freude und Trauer mit den uns umgebenden Zyklen und Gezeiten verbinden, erwecken wir wieder Kräfte, die tief in uns verschüttet waren. (nach Siegrun Laurent)

Im Jahreskreis gibt es 4 Mondinnenfeste und 4 Sonnenfeste.  

An Wintersonnenwende (Julfest), feiern wir den kürzesten Tag und die längste Nacht. In der tiefsten Dunkelheit wird das Licht wiedergeboren. Aus alten Überlieferungen wissen wir, dass dieses Licht seit allen Zeiten als Symbol für die göttliche Kraft, die Göttin, verehrt und gefeiert wurde.

Lichtmess (Brigid, Imbolc) ist der Zeitpunkt in der Natur, an dem das Licht sichtbar und spürbar zunimmt. Als Mondinnenfest bei zunehmender Mondin. Es ist die Zeit der Reinigung und der Visionen. "Welchen Impuls habe ich in mir für das kommende Jahresrad? Wir feiern die Segnung des zunehmenden Lichtes wie auch die Impulsgebung die aus dem Chaos entsteht. Wir begrüßen die weiße Gestalt der Göttin, Symbol für Klarheit, Reinheit, Neuanfang, Mut und Tatkraft.                                                                                               

Frühlings-Tagundnachtgleiche (Ostara) ist die Zeit des sichtbaren Anfangs, des Aufbruchs, des Beginnens, der sich verwirklichenden Gestaltwerdung. Die Nacht ist genauso lang wie der Tag, das Dunkle und das Helle befinden sich in Balance. Wir fragen uns: "Wie steht es um meine Balance, wie finde ich meinen Ausgleich?". Wir feiern die Schöpfungskraft, die sich jährlich im Frühling wieder erneuert. Ich säe die Samen in die Erde,   als Symbol meiner Handlungsfähigkeit, meiner Gestaltungskraft und meines Wachstums. 

Walpurgis (Beltane) ist das Fest der vollen Mondin. Die Lebensenergie fließt üppig und grenzenlos. Wir verbinden uns mit unseren weisen Vorschwestern, mit der Kraft der Zauberin und Prophetin. Die Energie dieser Nacht begünstigt unseren Zugang zu unserer Wildheit und Ungezämtheit. In dieser Nacht sind die Regeln des Alltags außer Kraft gesetzt. Es ist die Zeit des Orakelns und des über´s Feuer springen zur Bekräftigung unseres Seins.

Sommersonnenwende (Mittsommer, Litha) begeht den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Es ist der Höhepunkt der hellen Zeit und gleichzeitig der Wendepunkt, ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Die Lebenskraft zeigt sich in ihrer ganzen Fülle und Pracht und beschenkt uns reichlich. Wir schauen auf unsere eigene Entfaltung, auf unsere eigene Fülle. "Was haben wir in unserem Leben wachsen lassen?". "Was hat sich verwirklicht?" Wir verbinden uns mit dem roten Aspekt der Göttin in ihrer umfassenden Liebesfähigkeit.      

Schnitterinnenfest (Kräuterweih, Lammas), ist das Fest der abnehmenden Mondin. Sie symbolisiert die Sichel, mit der ich nach üppigem Wachstum das zu viel Gewordene, das Überwucherte schneide. Die überreifen und blockierende Anteile in unserem Leben. Wir trennen uns von Altem um Neues entstehen zu lassen. Welche ernten will, muss jetzt schneiden. Es ist auch das Fest zur Segnung unseres Kräuterboschen, der uns in der dunklen Zeit des Jahres vor Unheil und Krankheit schützt.           

An Herbst-Tagundnachtgleiche (Erntedankfest, Mabon) ist der Tag genauso lang wie die Nacht, wir bedanken uns für die reichen Gaben der hellen Jahreszeit. Jetzt sehe ich, was aus meinen Samen von Frühlings- Tagundnachgleiche geworden ist. Gleichzeitig bereiten wir uns auf den Eintritt in die dunkle Hälfte des Jahres vor. Wir lassen die Sachen hinter uns, die überflüssig geworden sind. Der Prozess der Erneuerung in der Dunkelheit kann geschehen, wenn ich mich von Überholtem, Belastendem und Blockierendem befreie.    

Ahninnenfest (Samhain, Halloween) ist der Zeitpunkt der Schwarzmondin. Die Kräfte ziehen sich in die unsichtbare Welt zurück. Die Pflanzen vergehen, bis auf die Samen, die in der Erde ruhen und auf die Zeit ihrer Neuentfaltung warten. Die Bäume und Sträucher holen ihre Lebenskraft in ihre Wurzeln unter der Erde, um geschützt und sicher, Stille einkehren zu lassen. Die dunkelsten Wochen im Jahresrad liegen vor uns, auch wir ziehen uns vor der zunehmenden Kälte in unser Inneres zurück. Wir lassen in unseren äußeren Aktivitäten nach und gehen unserer Innenschau nach. Wir besinnen uns auf unsere eigenen Ahninnen und unsere Lehrerinnen und die Frauen, die vor uns waren. Wir erinnern uns ihrer und gehen in Kontakt mit ihnen. Die Verbindung zu den Wesen aus der Anderswelt ist jetzt besonders stark. Wir können leichter als sonst zwischen den Welten reisen.Die Göttin erscheint nun in ihrer schwarzen Gestalt, die Alte, die Greisin, die den Schlüssel hält und zu der alle Dinge zurück kehren.                                                                                                                                                   
"Die Alte Religion gründet sich weder auf Dogmen oder Glaubensregeln noch auf von einem Weisen offenbarte Schriften oder ein heiliges Buch. Sie bezieht ihre Lehren aus der Natur und erfährt ihre Inspiration aus den Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen, aus dem Flug der Vögel, dem langsamen Wachsen der Bäume und aus dem Wandel der Jahreszeiten. Diese Religion begann vor mehr als fünfunddreißigtausend Jahren." (nach Starhawk)